Häufige Fragen zum Empty Nest Syndrom

Was ist das Empty Nest (Syndrom)?

Das Empty Nest Syndrom tritt in der Phase rund um den Auszug der erwachsenen Kinder auf. Ein Ereignis, mit dem alle Eltern früher oder später zurechtkommen müssen. Auch wenn der Auszug der Kinder ein absehbarer Schritt ist, kommt er für viele Eltern völlig überraschend. Entwicklungspsychologen zählen diesen Lebensabschnitt zu den natürlichen Übergangsphasen im Leben eines Menschen. Eine Übergangsphase ist begleitet von Anpassungsverhalten an die neue ungewohnte Situation. Nicht selten kommen in dieser Zeit noch weitere Belastungen hinzu: eine Sinnkrise durch den Wegfall vorgegebener Strukturen, denn Kinder beeinflussen maßgeblich den Tagesrhythmus. Eltern müssen sich als Paar neu definieren und die neu gewonnene Zeit muss gefüllt werden.
In dieser Phase sind viele Eltern meist widersprüchlichen Gefühlen ausgesetzt. Sie sind auf der einen Seite stolz auf ihre Kinder und freuen sich auf die neu gewonnenen Freiräume. Auf der anderen Seite sind sie jedoch traurig und fühlen sich oft genauso leer wie das Kinderzimmer.
Eltern entwachsen in dieser Zeit ihrer aktiven Rolle als Erzieher, denn erwachsene Kinder wollen ernstgenommen werden und ihre Selbstständigkeit erproben. Eltern müssen sich jetzt in eine eher passive Rolle begeben, was nicht immer auf Anhieb gelingt.
Viele Eltern meistern diese Krise nach einer gewissen Zeit allerdings sehr gut. Auch wenn diese Aufgabe so manche Hürdenbereit hält.

Ist das Empty Nest Syndrom eine Krankheit?

Die Lebensphase rund ums Empty Nest ist ein normales Ereignis mit seinen Höhen und Tiefen. Von einem Syndrom sprechen Mediziner erst beim Zusammentreffen mehrere Symptome, die dann ein Krankheitsbild ergeben. Und so ist es auch in diesem Fall.
Der Auszug des Kindes ist der Ausgangspunkt. Laut medizinisch, psychologischer Definition sogar der Auszug des letzten Kindes. Meine Beobachtung weicht allerdings von dieser Darstellung etwas ab. So können leichte Symptome auch schon beim Auszug des ersten Kindes auftreten. In jedem Fall ändert sich die Lebenssituation, die sie durch Anpassung bewältigen müssen. Daher spricht man auch von einer Anpassungsstörung, wenn dies nicht gelingt.
Einen Anhaltspunkt für ein Krankheitsbild bietet hierbei die Dauer, die Eltern ohne jede Entwicklung in diesem Zustand verharren. Der Übergang zwischen normal und krankhaft ist dabei meist schleichend. Orientierung bieten hier die unterschiedlichen Modelle der Trauerarbeit; z.B. „Traueraufgaben“ nach Worden 1999:
1. Verlust als Realität akzeptieren > 2. Trauerschmerz erfahren > 3. Anpassung an eine veränderte Umwelt > 4. gefühlsmäßige Ablösung (Anmerkung: eine Ablösung ist keine Auflösung!)
Wir wissen, dass Mütter meist stärker betroffen sind als Väter. Frauen neigen in der Regel dazu, psychosomatisch auf solche Belastungen zu reagieren, so dass sie selbst oft keinen Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden und ihrem „leeren Nest“ erkennen.
In Ausnahmen kann das Empty Nest Syndrom allerdings auch Auslöser für eine echte Depression sein. Hier ist es ratsam, sich an einen Psychologen bzw. Psychiater zu wenden.

Warum ist diese Gruppe nur für Mütter?

Mütter erleben diese Phase meist sehr viel intensiver. Von den heute betroffenen Frauen ist zwar die überwiegende Zahl berufstätig, aber nicht wenige von ihnen haben bewusst auf eine eigene Kariere verzichtet. Gerade diese Frauen trifft es besonders hart, wenn die Kinder ausgezogen sind und ihre Aufgabe der letzten Jahre damit beendet ist. Um Krisen erfolgreich zu meistern, ist immer auch ein Blick zurück hilfreich. Dabei kann gerade bei den „Vollzeit-Müttern“ die Frage aufkommen, ob die Entscheidung, auf eine eigene Karriere zu verzichten, die richtige war. Frauen bewältigen dabei Krisen meist anders als Männer: sie suchen das Gespräch und den Austausch unter Gleichen. Hierzu haben Mütter in der EnMoms-Gruppe die Möglichkeit.